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Die Kür sizilianischer Olivenöle

Tenuta Cavasecca, Sizilien

Familie Ficara hat eine Vision für ihre Heimat. Sohn Dario erweckt eine Olivenplantage zu neuem Leben und stellt großartige Olivenöle her.

Um an seine Vergangenheit als Junge, der in der sizilianischen Campagna aufwuchs, anzuknüpfen, kaufte der Chirurg Antonio Ficara in den 90er Jahren in seiner Heimat ein altes Gut und 50 ha Land mit alten Olivenbäumen dazu. Es war zugewachsen wie ein Dornröschenschloss, die Azienda war nicht bewohnbar. Il Signore begann nach und nach, das verwilderte Grundstück zu befreien und das Haus zu renovieren, ganz originalgetreu. Ursprünglich war die Tenuta als Hobby gedacht und die Familie produzierte nur in kleinem Stil Olivenöl für sich und für Freunde.

Wir bekamen den Tipp, dass es einen neuen Olivenölproduzenten gibt, von Marcin Oz von Vini Campisi, einem unserer Lieblingswinzer in der Region. Sobald wir in die Nähe kamen, besuchten wir Familie Ficara. Das Anwesen liegt im Südosten Siziliens, in einer Region, die seit Jahrtausenden besiedelt ist und in der schon seit den Griechen Olivenbäume stehen.

Ein Teil der Region bei Syracus besitzt mit Monti Iblei auch einen DOP-Status. Auf Cavasecca wachsen in einem Teil die traditionellen Sorten Siziliens durcheinander wie Siracusana, Nocellara, Biancolilla und Ogliarola. Ein anderer wohlgeordneter Teil hat einen jüngeren Tonda Iblea Bestand, den Antonio vor 15 Jahren angepflanzt hat. Er macht 65% der Bäume aus.

Antonio und Dario Ficara

Seit einiger Zeit ist Sohn Dario eingestiegen. Er hat an der exklusiven Wirtschaftsuniversität Bocconi in Mailand studiert und Berufserfahrung in Südamerika gesammelt. Jetzt steckt er seine ganze Energie in die Tenuta. Er ließ neue Olivenbäume anpflanzen und die Produktion biozertifizieren.

Seinen Vater bittet Dario immer wieder um Rat und teilt dessen Liebe für die Campagna und die Region, aus der sein Vater stammt. Gemeinsam mit ihm will er ihr etwas geben, eine neue Vision, einen Schritt in die Zukunft.

Erst einmal ist es aber viel Arbeit. In den Olivenhainen ist es vor allem Handarbeit. Jeder Baum wird einzeln per Hand gewässert. Das Terrain wird penibel sauber gehalten, um der Olivenfliege keinerlei Angriffsfläche zu bieten. Dauernd wird kontrolliert. Ökologischer Anbau erfordert wesentlich mehr Aufmerksamkeit.

Die Ernte erfolgt händisch und jede Olive mit noch so kleiner Verletzung wird aussortiert. Noch wird die Ernte in einer hochmodernen Ölmühle bei Modica verarbeitet, die eine optimale Qualitätskontrolle während der Produktion ermöglicht. Innerhalb von 6 Stunden nach der Ernte werden sie gepresst. „Aber,“ erklärte Antonio seinem Sohn, „du musst mit den Oliven dorthin fahren und dabeibleiben. Man weiß nie, ob nicht fremde Früchte dazwischenkommen.“ Das lernt man nicht auf der Bocconi. Das kaltgepresste Öl wird vor der Abfüllung in Edelstahltanks unter Stickstoff aufbewahrt, um eine Oxidation zu vermeiden.

 

Die Tenuta Cavasecca ist schon mehrmals von Slow Oil, einem Presidio von Slow Food, das extra native Olivenöle in Italien für ihre umweltbewusste und saubere Herstellung auszeichnet, ausgewählt worden. Neben der Qualität der Öle und dem Bekenntnis zur Region hat uns dieses ökologische Engagement besonders beeindruckt.

Inzwischen produziert Cavasecca drei Olivenöle: das ‚Firrisa DOP‘ aus 100% Tonda Iblea, das ‚Miscazzè’, ein Blend aus Siracusana, Biancolilla, Nocellara und Tonda Iblea.

Erstmals ließen Ficaras auch ein reinsortiges Öl aus der Siracusana-Olive pressen. Sie gilt als die älteste Sorte Siziliens. Die Oliven stammen von Bäumen, die mindestens 500 Jahre alt sind. Die Produktion dieses Öls ist limitiert. Alle drei Öle tragen sizilianische Dialektnamen: Firrisa ist der sizilianische Name für Tonda Iblea, Siracusana der für die Sorte Zaituna und Miscazzè heißt übersetzt Blend.

 

Die attraktiven Flaschen tragen Etiketten mit Motiven von Ölbildern eines Freundes des Hauses, dem bekannten Maler Gaetano Tranchino aus Syracus.