Olivenöl im Nirgendwo

Tenuta Cavasecca, Sizilien

Foodstory

Familie Ficara hat eine Vision für ihre Heimat. Sohn Dario erweckt eine Olivenplantage zu neuem Leben und stellt großartige Olivenöle her.

Es war einmal ein Junge, der in der endlosen flachen Weite der Campagna bei Syracusa aufwuchs, einer Landschaft voller Olivenbäume, nur von wenigen Menschen bewohnt. Der Vater war früh gestorben und er, als ältester Sohn, übernahm die Verantwortung für die Familie und die kleine Landwirtschaft. So wusste Antonio Ficara schon als Kind, wie man Olivenöl herstellt. Die Fortsetzung seines Lebenswegs und seiner Karriere führte im Juni dieses Jahres dazu, dass unsere Einkäuferin Federica und der Fotograf Christoph in den Südosten Siziliens reisten, um ihn zu besuchen.

Antonio Ficara hatte nämlich noch studiert und in der Toskana und Venetien Oralchirurgie an den Universitäten Siena und Vicenza gelehrt. Inzwischen hatte er auch eine Familie gegründet. 1986 beschloss er, gemeinsam mit seiner Familie in seine Heimat zurückzukehren und betreibt jetzt dort eine Chirurgenpraxis.

Um an seine Vergangenheit anzuknüpfen, kaufte er ein altes Gut und 50 ha Land dazu. Es war zugewachsen wie ein Dornröschenschloss, die Azienda war nicht bewohnbar. Il Signor begann nach und nach, das verwilderte Grundstück zu befreien und das Haus zu renovieren, ganz originalgetreu.

Dass ein solches Kleinod auf sie warten würde, konnten Federica und Christoph nur erahnen, nachdem sie auf einem unbeschilderten, engen Landwirtschaftsweg zu einem riesigen steinernen Tor mit eingemeißeltem Gutsnamen kamen: Cavasecca.

Dahinter führte ein schnurgrader Weg durch Olivenhaine. Die Bäume waren noch relativ jung und schienen neueingepflanzt. Alles sah sauber aus, war klar gegliedert und gepflegt. Es war Juni und schon 27 Grad heiß.

Als nach einiger Zeit rechts das alte Haus auftauchte, war das imposanteste dennoch ein 600 Jahre alter Olivenbaum, der davor steht. Sein Schatten bot Federica Zuflucht vor der Wärme.

Der schnurgerade Weg durch die Olivenhaine

Grund des Besuchs war das Olivenöl von Cavasecca, das erst seit kurzem kommerziell angeboten wird. Zuvor hatte Antonio Ficara nur winzige Mengen für die Familie und Freunde produziert. Als sein Sohn Dario sich für die Tenuta interessierte, begann ein ganz neues Kapitel. Aus einem Hobby wurde ein gut organisiertes, anspruchsvolles Projekt.

Dario erwartete sie schon. Er hat an der Wirtschaftsuniversität Bocconi in Mailand studiert und Berufserfahrung in Südamerika gesammelt. Jetzt steckt er seine ganze Energie in die Tenuta. Er ließ neue Olivenbäume anpflanzen und die Produktion biozertifizieren. Seinen Vater bittet Dario immer wieder um Rat und teilt dessen Liebe für die Campagna und die Region, aus der sein Vater stammt. Gemeinsam mit ihm will er ihr etwas geben, eine neue Vision, einen Schritt in die Zukunft.

Antonio und Dario Ficara

Erst einmal ist es aber viel Arbeit. In den Olivenhainen ist es vor allem Handarbeit. Jeder Baum wird einzeln per Hand gewässert. Das Terrain wird penibel sauber gehalten, um der Olivenfliege keinerlei Angriffsfläche zu bieten. Dauernd wird kontrolliert. Die Ernte erfolgt händisch und jede Olive mit noch so kleiner Verletzung wird aussortiert.

Noch wird die Ernte bei Cutrera verarbeitet, die beste Wahl, die man treffen kann. Innerhalb von 12 Stunden nach der Ernte werden sie gepresst. „Aber“ erklärte Antonio seinem Sohn, „du musst mit den Oliven dorthin fahren und dabeibleiben. Man weiß nie, ob nicht fremde Früchte dazwischenkommen.“ Das lernt man nicht auf der Bocconi.

Tonda Iblea, Siracusana, Nocellara, Biancolilla und Ogliarola sind die Olivensorten, die vor Ort angebaut werden.


Bei einem Spaziergang durch die Olivenhaine ist Federica überrascht, wie wohlgeordnet die einzelnen Sorten klar getrennt voneinander stehen. Die Tonda Iblea hatte Antonio vor 15 Jahren angepflanzt. In einem Teil wachsen die traditionellen Sorten Siziliens durcheinander wie Siracusana, Nocellara, Biancolilla und Ogliarola.

Dario kümmert sich auch um die Vermarktung der Öle. Sie sind in schöne, handliche Flaschen abgefüllt und die Motive sind Ausschnitte aus den Bildern eines befreundeten Künstlers aus Syracusa, dem Maler Gaetano Tranchino. Die Namen der beiden Öle, die Cavasecca bisher produziert, stammen aus dem sizilianischen Dialekt.

Als die beiden wieder fuhren, hatten sie noch die Abendsonne auf den alten Mauern des Gebäudes und seines rustikalen Innenhofs miterlebt, aus denen noch einmal die Ursprünglichkeit und Geschichte intensiv leuchtete. Ein ganz besonderer Ort.



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