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Die Schokoladenseite Italiens

MAJANI, EMILIA ROMAGNA

„Durch die Adern meines Produktionsleiters fließt Schokolade, nicht Blut.“

„Durch die Adern meines Produktionsleiters fließt Schokolade, nicht Blut“, kommentiert Francesco Majani, der heutige Geschäftsführer des Familienunternehmens, dessen Hingabe. Der ähnlich geartete Vorgänger von Maurizio begann mit 14 Jahren seine Karriere und blieb dort als Leiter der Produktion, bis er als alter Herr starb.

 

Majani gibt es seit 1796. Das erklärt teils den entspannten Konservatismus des Unternehmens, das außerhalb Italiens nur wenigen Schokoladenliebhabern bekannt ist. Dass die Exportmanagerin darüber manchmal verzweifelt, gehört dazu. Aber er unterstreicht auch die Souveränität, mit der Majani Qualitätsschokolade herstellt. 

Mit Maurizio über das Firmengelände in Crespellano nahe Bologna zu gehen, gleicht einer klimatischen Achterbahnfahrt. Im sehr kühlen, fensterlosen Kubus lagern Jutesäcke voll mit Kakaobohnen. Mit Verve greift er in einen der Säcke. Es sind Bohnen der Sorte Choroní aus einer wiederentdeckten Plantage in Venezuela, die nicht mehr bewirtschaftet wurde, bevor Majani sie kaufte. Die unter schwierigsten Bedingungen aus dem Land mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen transportierten Bohnen müssen jetzt trocknen, gesäubert und von Steinchen befreit werden. 20 verschiedene Sorten Kakao verarbeitet Majani auf diese Weise, from bean to bar.

In der Produktion im Gebäude gegenüber herrschen 28 Grad. Hier werden die ganzen Bohnen geröstet und geschält. Die behäbige, alte Maschine stammt aus Deutschland, aus Ludwigsburg. Neben ihr steht der Röstmeister und überwacht den Röstgrad. Immer wieder holt er eine Handvoll Bohnen aus der Pfanne und überprüft die Farbe. Auch die Nüsse und Pistazien werden frisch im Haus geröstet. 

Steckbrief

Region

Emilia Romagna

Ort

Crespellano nahe Bologna

Trombini bewegt sich wie ein Balletttänzer in der engen, warmen Produktion. Die hochspezialisierten Maschinen stehen nahe beieinander und spucken einen Schokoladentraum nach dem nächsten aus, alles unter den Argusaugen der Mitarbeiterinnen unterm Häubchen. In der nächsten Klimazone, in der viel Handarbeit geschieht, herrschen nur 15 bis 17 Grad. Hier werden die Pralinenschachteln bestückt, jede einzeln.

Im Stadtzentrum von Bologna fällt an der Hauptstraße Via dell‘ Independenza ein pittoresker Libertybau mit Säulen ins Auge. Heute ist dort ein international verbreiteter Kleidungsriese drin. Früher trafen sich im hier ansässigen Salone Majani Aristokraten, Intellektuelle und das Großbürgertum, um Kaffee zu trinken und Schokolade zu genießen. Majani war berühmt. Schließlich hatte die Gründerin Teresa Majani 1832 'La Scorza' erfunden, eine Borkenschokolade mit zartbitterem Geschmack. Es war die erste solide Tafel, die es in Italien gab. Bis dahin trank man dort lediglich Kakao.

Das Geschäft ist umgezogen in die Via de‘ Carbonesi 5 mit historischem Interieur und charmanter Dame hinter dem verspielten Holztresen. Stolz erklärt sie, wer auf einem alten Stich als Gast des Cafés zu sehen ist, beispielsweise der Schriftsteller Gabriele d’Annunzio und Guglielmo Marconi, der Entdecker der Radiowellen.