Bosheit gut gekontert

Vini Campisi, Sizilien

Foodstory

Den 29. August 2016 wird Marcin Oz so schnell nicht vergessen. Der Jungwinzer von Vini Campisi schritt seine Weinfelder ab wie jeden Tag kurz vor der Lese. An einem äußeren Zipfel der Syrahreben erschrak er.

Zwei Reihen, rund 100 Pflanzen, waren braun und wirkten wie Tote inmitten der sattgrünen Blätter. Zuerst dachte er an eine Krankheit, aber die Exaktheit der betroffenen Reihen sprach dagegen. Beim näheren Hinsehen erkannte Marcin, dass jemand Hand angelegt hatte und zwar eine professionelle. Jeder der Triebe war bis auf zwei Augen beschnitten. Der Rebsaft wurde nicht weiter nach oben transportiert und die Blätter und Trauben trockneten aus. ‚Cut and Run‘, weg war der Bösewicht.

Für den Ex-DJ und Musiker, der die Berliner Clubs gegen Weinfelder eingetauscht hatte, war das ein kleiner Schock. Aber Marcin probierte die Trauben. Er wollte sie auf keinen Fall einfach verrotten lassen. 2016 war erst das zweite komplette Weinjahr, das der Quereinsteiger bestritten hatte. Die Trauben waren zuckersüß.

Gemeinsam mit seinem Önologen Michele suchte er eine Lösung. Sie mischten die rosinierten Trauben mit einem Teil frischer Trauben, da sonst zu wenig Flüssigkeit vorhanden gewesen wäre. Dann ließen sie die Naturhefen arbeiten, die auf den Schalen der Trauben sitzen. „Es war wahnsinnig aufregend“, erinnert er sich heute. Viel Handarbeit steckt in dem 350 Liter Plastikfass, in dem die Gärung begann. Immer wieder drückte Marcin mit langen Armen den Trester zurück an den Boden, damit der nicht austrocknete und weiterhin seinen Gerbstoff und Aromen abgab. In diesem Moment hatte der Wein noch viel Zucker, aber auch schon 13% vol. Alk.

Extra für die weitere Reifung kaufte der Wahlsizilianer aus Berlin ein gebrauchtes Barriquefass. Mit dem Gabelstapler hob er sanft das Plastikfass in die Höhe und ließ den ‚Zuckerwein‘ ins Holzfass fließen. Nach einem Jahr der Reifung wiederholte er den Prozess, aber umgekehrt, um den Wein zur Flaschenabfüllung zu transportieren. Es war Marcins beglückende Herausforderung, und er plante, das Ergebnis seiner Mühen peu a peu bei besonderen Angelegenheiten zu trinken.

Immer wieder schoss ihm in den Monaten der Reifung durch den Kopf, dass ihm zwar jemand Böses wollte, aber er durch die engagierte Rettung dieser Trauben demjenigen eigentlich sogar dankbar sein konnte. Soviel hatte er gelernt über das Weinmachen als Handwerk. Er forschte auch nicht nach, wer es wohl gewesen sein könnte. Das Ergebnis nach einem Jahr war ein trockner Wein mit fast 16% vol. Alk. 280 Flaschen konnte er abfüllen.

Kurze Zeit vorher hatte ihn Remo Viani besucht, der selbstverständlich eine Fassprobe bekam. Der war fast sprachlos begeistert und sagte nur:

‚ein vino di meditazione.‘


Ursprünglich war die Idee, aus den trockenen Trauben einen süßen Dessertwein, ähnlich einem Passito, zu machen. Bloß nicht, er sollte so bleiben, so eindrucksvoll wie er jetzt war. Auch Sergio, der Partner bei Campisi, war überzeugt.

Jetzt ist Marcins Ehrgeiz für das Besondere erwacht. Für den Jahrgang 2017 hat er vier Holzfässer angeschafft. Allerdings hat er nicht Syrahtrauben, sondern Nero d‘Avola auf Matten angetrocknet. Der Nero d‘Avola besitzt mehr Säure, davon verspricht er sich mehr Ausgewogenheit und Frische. „Aber bislang glaube ich, das Trocknen an der Rebe bringt ein besseres Ergebnis. Das nächste Mal werde ich ein anderes Verfahren probieren. Vielleicht klammere ich einfach die Trauben ab, so dass sie abgeschnitten sind vom Saftfluss in der Pflanze. Oder ich versuche doch, den Bösewicht zu lokalisieren und bitte ihn, nochmal kurz vor der Lese 2018 bei uns vorbeizuschauen“.



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