Kaffeebohnenjäger mit Seele

Giuliano, Piemont

Foodstory

Unser Besuch beim Café Orso in Turin.

Alessandro Minelli

Alessandro Minelli ist Kaffeeröster in der 3. Generation und sein mit neuen Ideen geführtes Familienunternehmen 'Giuliano' erhielt für die handwerkliche Sorgfalt den Titel ‚Maestro del Gusto‘, Meister des Geschmacks, von Slow Food. Ursprünglich war er als Manager einer Firma beruflich anders engagiert, eine Reise auf eine Kaffeeplantage in Brasilien faszinierte ihn jedoch so, dass er in die elterliche Firma eintrat und dieses völlig neue Konzept entwickelte. 

In Turin, der bekannten Hauptstadt der Cafés, hat Röster Alessandro Minelli eine neue Kaffeekultur etabliert. Sein Credo: Nicht der schnelle, kleine Schwarze im Stehen, sondern durchkomponierte Kaffeemischungen und eine langsame und schonende Röstung für wirklichen Genuss. Kaffee ist für ihn eine besondere Frucht, keine anonyme Handelsware. Er will ihm Seele geben. Mitten im Viertel San Salvatore in der Altstadt hat er sein Café eingerichtet, das 'Orso'.

Wir sind dort gewesen, als wir den Salone del Gusto, die große Slow Food Messe, im September besuchten, und haben die entspannte Retroatmosphäre des Cafés mit seinen vielen kleinen Besonderheiten genossen. Es war brechend voll, da viele Salone-Besucher ebenso neugierig waren wie wir. 

Bei jungen Torinesen ist die Gegend aktuell sehr beliebt und eher unbürgerlich vom Charakter her. Ein junges, neugieriges Publikum und Alessandros unkonventionelle Herangehensweise an das Alltagsthema Caffè ergänzen sich. Für ihn ist das 'Orso' ein laboratorio, in dem er, fast pädagogisch, verschiedene Kaffeesorten unterschiedlicher Provenienzen anbietet.

Über dem Barista sieht man eine Weltkarte und darauf die Herkunftsregionen der Kaffees, auch die Mischungen. Sie und die Kaffeebehälter werden mit farbigen Wollfäden verbunden.

Alessandro beschrieb seine Kaffees wie Weine und wir kosteten uns langsam heran. Wir waren beeindruckt von der Batterie der Kaffeemühlen. Jede Kaffeesorte hat ihre eigene Mühle, damit sich auch sicher kein fremdes Aroma einschleicht.

Schmeckt ihr die Grapefruit heraus? Das ist typisch für äthiopischen Kaffee.


Nach dem Mahlgrad ist die Zubereitung der nächste und letzte Qualitätsbaustein. Von Filterkaffee über die traditionelle neapolitanische Caffettiera, die angesagte Chemex-Karaffe bis zur modernen AeroPress mit Luft, seiner Favoritin, reicht das Repertoire des Cafés. 25 Sekunden für den Durchlauf bei einer gängigen italienischen Kaffeemaschine, die es dort natürlich auch gibt, sind für ihn das Optimum. 

Seine Detailliebe findet sich auch im 'Orso' überall wieder. Für seine Gäste hat er viele verschiedene Kaffeetassen gesammelt, die alle eine Blechplakette mit Nummern tragen. Zu jeder Nummer gibt es inzwischen einen Gast, der immer wieder zu seiner Tasse greift. Für den Espressotrinker hat er eine andere reizvolle Spielerei entwickelt. Alessandro hat das Lesen im Kaffeesatz aufgegriffen und jede Espressotasse mit einer Nummer am Boden versehen lassen. Wer in die leere Tasse schaut, sieht sie und kann auf einem Plakat an der Caféwand sein Motto des Tages ablesen.

61 = ok, versuchs
54 = mach dich undurchschaubar
60 = Ameisen brauchen keine getigerten, kugelsicheren Westen oder
53 = Der Wahnsinn hat keine Ohren.

Wir verabschiedeten uns von Alessandro und fuhren mit tollen Eindrücken zurück nach Göttingen.



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